Wer hat das erste Antireflexionsglas entwickelt? Diese Frage können nur wenige spontan beantworten. Die Antwort lautet: Eine Frau, deren Name in der Industriegeschichte kaum Beachtung findet.
Katharine Burr Blodgett, geboren 1898, war eine der stillen Wegbereiterinnen moderner Glasbeschichtungstechnologien. Als erste Frau, die an der Universität Cambridge in Physik promovierte, und als erste Frau im Forschungsteam von General Electric, entwickelte sie 1938 das erste entspiegelte Glas der Welt. Ihre Methode: Hauchdünne Schichten auf Glas auftragen, mit exakt abgestimmter Materialwahl und Schichtdicke. Dadurch entstanden Interferenzeffekte an den Grenzflächen, die Reflexionen unterdrückten und Glas nahezu „unsichtbar“ machten.
Eine technische Revolution und ein gesellschaftliches Ausrufezeichen
Denn Blodgett arbeitete in einer Zeit, in der wissenschaftliche Labore fast ausschließlich Männern vorbehalten waren. Ihre Leistung wurde – wie die vieler Frauen der Technikgeschichte – lange kaum beachtet. Erst rückblickend wird deutlich, wie prägend ihre Innovation für Anwendungen in Linsen, Präzisionsoptik und heute auch in der Flachglasindustrie war.
Ihre Idee lebt weiter
Das physikalische Prinzip, das Blodgett damals erforschte, ist auch Grundlage moderner Produkte wie Pilkington OptiView™. Durch gezielte Beschichtung mit variierenden Materialschichten und -dicken wird störende Reflexion minimiert. Das Glas erscheint klarer, durchsichtiger, hochwertiger.
Ob in Museumsvitrinen, Sportstadien oder Schaufenstern, entspiegeltes Glas sorgt heute für optimale Sicht und minimalen Lichtverlust, ganz im Sinne der ursprünglichen Vision.
Wie weiblich ist die Glasindustrie heute?
Noch immer sind Frauen in technischen Industrieberufen unterrepräsentiert. Doch die Entwicklung geht in die richtige Richtung. Auch bei der NSG Group arbeiten heute mehr Frauen denn je in Bereichen wie Forschung, Entwicklung, Anwendungstechnik und Produktion, sowohl in Deutschland, als auch international. Sie beraten Kunden, treiben Innovationen voran und entwickeln Glaslösungen für die Anforderungen von morgen.
„Die Leistungen von Frauen wie Katharine Blodgett dürfen nicht im Schatten bleiben“, sagt Dr. Christian Eibl, Leiter der Anwendungstechnik bei Pilkington Deutschland AG in Gladbeck. „Ihre Geschichte zeigt, wie wichtig Vielfalt in der Industrie ist und wie viel Potenzial noch ungenutzt bleibt.“