Sir Alastair Pilkington
Sir Alastair Pilkington
Mit der Entwicklung des Floatglasverfahrens verfolgte er das Ziel, hochwertiges, verzerrungsfreies Glas für Schaufenster, Fahrzeuge, Spiegel und zahlreiche weitere Anwendungen wirtschaftlicher herstellen zu können. Zu dieser Zeit ließ sich Glas dieser Qualität ausschließlich im aufwendigen Plattenglasverfahren fertigen, das ebenfalls von Pilkington Brothers entwickelt worden war. Da das Glas dabei mit Walzen in Berührung kam, entstanden Oberflächenmarkierungen. Um die für optisch hochwertiges Glas erforderlichen parallelen und vollkommen ebenen Oberflächen zu erhalten, mussten die Scheiben anschließend geschliffen und poliert werden.
Beim Floatglasverfahren fließt ein kontinuierliches Glasband aus dem Schmelzofen und schwimmt auf der Oberfläche eines Bades aus flüssigem Zinn. Das Glasband verbleibt ausreichend lange bei hoher Temperatur auf dem Zinnbad, sodass sich Unebenheiten durch die Oberflächenspannung ausgleichen und vollkommen ebene, parallele Oberflächen entstehen. Da die Oberfläche des flüssigen Zinns absolut eben ist, übernimmt auch das Glas diese Ebenheit. Anschließend wird das Glasband auf dem Zinnbad kontrolliert abgekühlt, bis seine Oberflächen ausreichend erstarrt sind, um das Band ohne Berührung durch Walzen aus dem Zinnbad herauszuführen. Auf diese Weise entsteht Glas mit gleichmäßiger Dicke und brillanten, feuerpolierten Oberflächen – ganz ohne die bislang erforderlichen Schleif- und Polierprozesse.
Während der siebenjährigen Entwicklungsarbeit musste Alastair Pilkington zahlreiche Rückschläge hinnehmen. Wie er später selbst berichtete, wurde er immer wieder gefragt: „Wann werden Sie Erfolg haben?“ Seine Antwort lautete stets: „Das werden wir erst wissen, wenn wir erfolgreich waren.“ Die Entwicklungskosten überstiegen bei Weitem alle ursprünglichen Erwartungen. Es erforderte großen Mut seitens des Vorstands, das Projekt trotz der anhaltenden Schwierigkeiten weiter zu unterstützen. Nachdem das Floatglasverfahren schließlich erfolgreich entwickelt worden war, entschied sich das Unternehmen, Lizenzen für die Technologie zu vergeben. Dies sollte einerseits zusätzliche Einnahmen generieren und andererseits verhindern, dass andere Hersteller eigene, konkurrierende Verfahren entwickelten.
Die erste internationale Lizenz wurde 1962 an die Pittsburgh Plate Glass Company vergeben. Kurz darauf folgten weitere Lizenzvereinbarungen mit Glasherstellern in Europa, Japan, der Tschechoslowakei, der Sowjetunion sowie den USA. Heute sind weltweit rund 260 Floatglasanlagen in Betrieb, im Bau oder in Planung. Pilkington betreibt davon 25 Werke und ist darüber hinaus an weiteren neun Anlagen beteiligt.
Sir Alastair Pilkington verstarb im Jahr 1995.