Sir Alastair Pilkington
Sir Alastair Pilkington
Sir Alastair Pilkington – der 1970 für seine Verdienste zum Ritter geschlagen wurde – erfand das Floatglasverfahren, das die Glasindustrie in den 1960er-Jahren revolutionierte. Die Idee dazu entstand bereits Anfang der 1950er-Jahre. Es dauerte jedoch sieben Jahre intensiver Entwicklungsarbeit, bis sich das Verfahren erfolgreich umsetzen ließ. Die Entwicklungskosten waren erheblich – insbesondere für ein Unternehmen, das sich damals noch in Familienbesitz befand. Obwohl das Verfahren bereits 1959 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, war es erst in den Jahren 1962/63 soweit ausgereift, dass es zuverlässig und wirtschaftlich eingesetzt werden konnte.
Mit der Entwicklung des Floatglasverfahrens verfolgte er das Ziel, hochwertiges, verzerrungsfreies Glas für Schaufenster, Fahrzeuge, Spiegel und zahlreiche weitere Anwendungen wirtschaftlicher herstellen zu können. Zu dieser Zeit ließ sich Glas dieser Qualität ausschließlich im aufwendigen Plattenglasverfahren fertigen, das ebenfalls von Pilkington Brothers entwickelt worden war. Da das Glas dabei mit Walzen in Berührung kam, entstanden Oberflächenmarkierungen. Um die für optisch hochwertiges Glas erforderlichen parallelen und vollkommen ebenen Oberflächen zu erhalten, mussten die Scheiben anschließend geschliffen und poliert werden.
Tafelglas, das als kontinuierliches Glasband senkrecht aus der Schmelze gezogen wurde, war kostengünstiger als geschliffenes und poliertes Plattenglas, da es weder geschliffen noch poliert werden musste. Für hochwertige Anwendungen war es jedoch ungeeignet, weil das Herstellungsverfahren optische Verzerrungen verursachte. Es eignete sich für Verglasungen im Wohnbereich sowie im Gartenbau, konnte hochwertiges Plattenglas jedoch nicht ersetzen. Viele Fachleute der Glasindustrie träumten davon, die Vorteile beider Herstellungsverfahren miteinander zu verbinden. Ziel war es, Glas mit den brillanten, feuerpolierten Oberflächen von Tafelglas und gleichzeitig den ebenen, parallelen Oberflächen von Plattenglas herzustellen. Das Floatglasverfahren erwies sich schließlich als die Lösung.
Beim Floatglasverfahren fließt ein kontinuierliches Glasband aus dem Schmelzofen und schwimmt auf der Oberfläche eines Bades aus flüssigem Zinn. Das Glasband verbleibt ausreichend lange bei hoher Temperatur auf dem Zinnbad, sodass sich Unebenheiten durch die Oberflächenspannung ausgleichen und vollkommen ebene, parallele Oberflächen entstehen. Da die Oberfläche des flüssigen Zinns absolut eben ist, übernimmt auch das Glas diese Ebenheit. Anschließend wird das Glasband auf dem Zinnbad kontrolliert abgekühlt, bis seine Oberflächen ausreichend erstarrt sind, um das Band ohne Berührung durch Walzen aus dem Zinnbad herauszuführen. Auf diese Weise entsteht Glas mit gleichmäßiger Dicke und brillanten, feuerpolierten Oberflächen – ganz ohne die bislang erforderlichen Schleif- und Polierprozesse.
Während der siebenjährigen Entwicklungsarbeit musste Alastair Pilkington zahlreiche Rückschläge hinnehmen. Wie er später selbst berichtete, wurde er immer wieder gefragt: „Wann werden Sie Erfolg haben?“ Seine Antwort lautete stets: „Das werden wir erst wissen, wenn wir erfolgreich waren.“ Die Entwicklungskosten überstiegen bei Weitem alle ursprünglichen Erwartungen. Es erforderte großen Mut seitens des Vorstands, das Projekt trotz der anhaltenden Schwierigkeiten weiter zu unterstützen. Nachdem das Floatglasverfahren schließlich erfolgreich entwickelt worden war, entschied sich das Unternehmen, Lizenzen für die Technologie zu vergeben. Dies sollte einerseits zusätzliche Einnahmen generieren und andererseits verhindern, dass andere Hersteller eigene, konkurrierende Verfahren entwickelten.
Die erste internationale Lizenz wurde 1962 an die Pittsburgh Plate Glass Company vergeben. Kurz darauf folgten weitere Lizenzvereinbarungen mit Glasherstellern in Europa, Japan, der Tschechoslowakei, der Sowjetunion sowie den USA. Heute sind weltweit rund 260 Floatglasanlagen in Betrieb, im Bau oder in Planung. Pilkington betreibt davon 25 Werke und ist darüber hinaus an weiteren neun Anlagen beteiligt.
Sir Alastair Pilkington verstarb im Jahr 1995.