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Martin Wegge, Kfz-Technikermeister und Technischer Berater bei Pilkington 
Martin Wegge, Technischer Berater
Die Pilkington Automotive Deutschland GmbH gehört als Teil der NSG Group zu einem der weltweit größten Hersteller von Automobilverglasung. Ein wichtiges Thema ist für uns die Technologie heutiger Fahrerassistenzsysteme (FAS). Ich möchte mit diesem Blog mein Know-how und meine Erfahrungen mit Ihnen teilen und freue mich auf einen regen Austausch zu diesem Thema.“

 

Fahrerassistenzsysteme und ihre Kalibrierung

Fahrerassistenzsystemen (FAS) gewinnen immer mehr an Bedeutung und werden selbst im Segment der Kompakt- und Kleinwagenklasse zum Teil serienmäßig verbaut. Hätten Sie beispielsweise gedacht, dass der Audi A6 im Jahr 2012 bereits über bis zu 20 Assistenzsysteme verfügt hat? Der Anteil an Fahrzeugen mit FAS wird deshalb in den Autoglasbetrieben und Kfz-Werkstätten in den nächsten Jahren exponentiell steigen und die Betriebe vor neue Herausforderungen stellen.

Kameraunterstützte adaptive Scheinwerfersysteme
Kameraunterstützte adaptive Scheinwerfersysteme

 

Assistenzsysteme helfen, den sicheren Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen zu halten. Sie warnen vor dem unbeabsichtigten Verlassen der Spur, leiten in kritischen Situationen eine Vollbremsung ein und vieles mehr. Jedes Fahrzeug, das heutzutage produziert wird, verfügt über einen hohen Anteil an Vernetzung. Kamera-, Radar- und Beleuchtungssysteme bilden eine zusammenhängende Einheit. Alle Systeme kommunizieren miteinander und haben Einfluss auf anliegende Systeme.
Dieses präzise Zusammenspiel der verschiedenen Systeme ist elementar wichtig. Grundvoraussetzung dafür ist die korrekte Kalibrierung der FAS. Fachbetriebe müssen deshalb nach erfolgtem Scheibenaustausch bei Fahrzeugen mit Spurhalteassistent (LKA/LDW) eine entsprechende Kamerakalibrierung durchführen oder durchführen lassen.
Die Pilkington Automotive Deutschland GmbH als Ihr Partner in Sachen Autoglas unterstützt Sie bei der professionellen Kalibrierung von Autoglasscheiben nach dem Scheibentausch. Ich habe deshalb eine informative Artikelreihe zu dem Thema FAS vorbereitet, in der ich detailliert die wesentlichen Bereiche der Kalibrierung erkläre – von der Eingangsdiagnose über die Achsvermessung und Kalibrierung bis hin zur Sensorik.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Ihr Martin Wegge
Kfz-Technikermeister und Technischer Berater bei Pilkington seit 2017

 

 

Kapitel 1 ADAS/FAS

Was bedeutet es?

Advanced Driver Assistance Systems kommt aus dem englischen (ADAS) und bedeutet: „Erweiterte Fahrerassistenzsysteme‟. Im deutschsprachigen Gebrauch heißt es „Fahrerassistenzsysteme‟ (FAS).

Und nun?

Zur besseren Darstellung benutze ich das Antiblockiersystem (ABS), die Geschwindigkeitsregelanlage (GRA) und den einfachen Regensensor als Beispiel. In früheren Fahrzeugen wurden mitunter alle drei Komponenten verbaut. Allerdings waren sie nicht miteinander vernetzt.

Das ABS hatte bauartbedingt keine Möglichkeit selbst zu bremsen.

Die GRA regelte den Abstand nicht selbständig, sie hatte keine Informationen über ein sich näherndes vorrausfahrendes Fahrzeug. Der Regensensor teilte dem ABS nicht mit, dass die Straße nass ist. Für eine Vernetzung wurden die bereits bestehenden Systeme erweitert:
Das ABS wurde zur Antriebsschlupfregelung (ASR) und anschließend zum heutigen elektronischen Stabilisierungsprogramms (ESP).
Die einfache GRA wurde um einen Radarsensor erweitert, zu einer adaptiven Geschwindigkeitsregelung, heute bekannt als Adaptive Cruise Control (ACC).
Der Regensensor wurde mit einem Lichtsensor kombiniert, der so das Fahrlicht bei Dämmerung automatisch einschalten kann. 

Alle Systeme wurden in ein Datennetzwerk (CAN Bus/LIN Bus) eingebunden, in dem die Sensordaten jedem anderen Steuergerät (Note/Knotenpunkt) zur Verfügung gestellt wird. Diese Vernetzung bietet den Herstellern in der Software viele Möglichkeiten, um verschiedene Funktionen wirtschaftlich und in einem überschaubaren Zeitraum zu realisieren und zu kombinieren.

Dieses Beispiel ist Vorbild für die Erweiterung von Fahrerassistenzsystemen. Heutige Fahrzeuge besitzen mittlerweile sehr komplexe Vernetzungen, die über LIN, CAN, CAN-FD, MOST und Flexray verbunden sind.

 

Kapitel 2 folgt