Komfort durch Sonnenschutz
Ein adäquater Sonnenschutz im Auto stellt andere Anforderungen an die Verglasung als Sonnenschutz in Gebäuden. So ist zum Beispiel ein Minimum an Lichttransmission bei Windschutzscheiben gesetzlich vorgeschrieben, 75 Prozent in Europa und 70 Prozent in den USA. Die Fahrzeuginsassen sind, manchmal für einen längeren Zeitraum, dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt; die Temperatur im Auto sollte aber angenehm bleiben. Der Glasanteil im Auto wird zunehmen. Designer entwerfen Glasdächer für Autos. Während die Autofahrer eine Verbesserung des Komforts erwarten, wollen die Fahrzeugentwickler nicht die Kosten für die Klimaanlage erhöhen.Im Idealfall würde die Fahrzeugverglasung also weder ultraviolette Strahlen noch Infrarotstrahlung durchlassen und trotzdem die gesetzlichen Anforderungen hinsichtlich der Lichttransmission erfüllen. Die Gesetze der Physik lassen diese Kombination nicht zu, dennoch wollen die Designer diesem Ziel so nahe wie möglich kommen.
Tatsächlich wird die Sonnenstrahlung, die auf die Autoscheibe trifft, teilweise reflektiert, teilweise durchgelassen und teilweise vom Glas absorbiert. Durch die Absorption wird die Scheibe selbst erwärmt und das erhöht zusätzlich die Wärme im Innenraum des Autos. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diesen Prozess zu kontrollieren: bei eingefärbten Gläsern erhöht sich der Absorptionsanteil oder Beschichtungen können dafür sorgen, dass ein größerer Teil der Strahlung reflektiert wird.
Ez-Kool, ein gefärbtes Glas, war ein wesentlicher Fortschritt, als es Ende der 80-er Jahre auf den Markt kam. Es ist ein Grünglas, das die Transmission ultravioletter Strahlung reduziert und lediglich 44 Prozent der einfallenden Infrarotstrahlen durchlässt. Jahrzehntelang war das Glas der erste wichtige Durchbruch bei Sonnenschutzverglasungen auf dem US-Markt und führte zu einer Revolution in der Fahrzeugverglasung. Die Technologie wurde an den europäischen Markt angepasst, wo sie unter der Marke Sundym eingeführt wurde.
Die Weiterentwicklung der Technologie führte zur Einführung eines dunkler gefärbten Glases, Galaxsee, als Sonnen- und Sichtschutzglas für den Minibus- oder Mehrzweckfahrzeugmarkt in den USA. Das Glas verdrängte schnell die teureren beschichteten Produkte vom Markt. Auch diese Technologie kam als Teil der Sundym-Produktpalette auf den europäischen Markt, wo es insbesondere bei Sonnendächern mit niedrigen Transmissionsanforderungen und im Heckbereich der Autos eingesetzt wurde. Beschichtungen kamen ebenfalls zum Einsatz, um das Aufheizen des Wageninneren zu verringern. Mitte der 80-er Jahre wurde die Sonnenschutz-Windschutzscheibe Kool-of entwickelt, bei der mehrere Schichten aufgesputtert wurden.
Gleichzeitig wurde auch die Siglachrom-Produktpalette auf den Markt gebracht. Das Ungewöhnliche an dieser Beschichtung war, dass das Glas auch vorgespannt werden konnte. Letztendlich haben aber die Fortschritte bei gefärbten Gläsern dazu geführt, dass letztere kostengünstigere Lösungen für die Sonnenschutzproblematik bieten. Zunehmend anspruchsvolleren Marktanforderungen kann man heute mit hochleistungsfähigen Sonnenschutzgläsern begegnen. Ein Produkt, das den Ansprüchen genügt, ist Siglasol, ein Sonnenschutz-Verbundsicherheitsglas, das eine Folie mit aufgesputterter Beschichtung benutzt. Siglasol bietet eine Lichttransmission von 77 Prozent, während gleichzeitig die Wärmetransmission um 47 Prozent reduziert wird. Das Laminat reflektiert 24 Prozent der einfallenden Strahlung, vier Mal soviel wie Standardwindschutzscheiben.
Die beschichtete Folie ist sehr komplex, denn während normale Verbundsicherheitsgläser lediglich eine PVB-Folie enthalten, enthält Siglasol drei Folien: eine dünne PET-Folie, auf die die Besichtung aufgebracht ist, ist eingebettet in zwei PVB-Folien. Das Produkt kommt sowohl bei Windschutz- und Heckscheiben als auch bei Seitenscheiben zum Einsatz.